John Arnolds 23/78 Chronometer erzielt Rekordpreis bei Sotheby´s

John Arnolds 23/78 Chronometer erzielt Rekordpreis bei Sotheby´s

John Arnolds 23/78 Chronometer wurde zum Rekordpreis bei Sotheby’s versteigert. Ein historisches Chronometer des legendären Uhrmachers und Markengründers von Arnold & Son, John Arnold, wurde auf einer Auktion des renommierten Auktionshauses Sotheby’s in London am 7. Juli 2016 zu einem Rekordpreis von £557.000 GBP ($722.318 USD) versteigert. Damit erzielte das Chronometer eine Summe, die einem Vielfachen der ursprünglich geschätzten (130.00 – 150.000 GBP) entsprach. Die Auktion war der englischen Uhrmacherkunst gewidmet.

Die 1781 fertiggestellte Taschenuhr von John Arnold mit der Nummerierung 23/78 ist aus vielen Gründen einzigartig: Sie beinhaltet diverse Innovationen von John Arnold und weitere herausragende Details, wie eine Wippen-Chronometerhemmung mit einer „Doppel-S“-Unruh, eine zylindrische Unruhfeder und einen cleveren Temperaturkompensations-Mechanismus.

Lot 38, a John Arnold watch circa 1781, sold for $722,318 at the Sotheby’s auction © Sotheby’s

Lot 38, a John Arnold watch
circa 1781, sold for $722,318 at the Sotheby’s auction
© Sotheby’s

Darüber hinaus ist es das einzige bekannte Exemplar, das die Zeit ohne Restaurierung vollständig in seinem Originalzustand mit allen Teilen überdauert hat inklusive dem Silbergehäuse, dem Email-Zifferblatt sowie dem perfekt intakten und unberührten Werk. Der außerordentlich hohe Auktionspreis, den die Uhr bei Sotheby’s erzielt hat, ist ein weiterer Beweis für die zentrale Rolle, die John Arnold als Wegbereiter der Präzisions-Chronometrie gespielt hat.

John Arnold hatte sich im 18. Jahrhundert mit seiner herausragenden Kompetenz schnell einen Namen gemacht. Als erster Uhrmacher fertigte er eine Rubin-Zylinderhemmung. Diese präsentierte er in einer außergewöhnlich kleinen, in einen Ring montierten Repetieruhr, die er King George III darbot. Sein wachsender Bekanntheitsgrad verschaffte ihm wohlhabende Kunden. Er hätte einfach ein komfortables Leben führen können, indem er anspruchsvolle Repetier- und Kalenderuhren herstellte. Aber John Arnold war getrieben von der größten Herausforderung der Uhrmacherkunst seiner Zeit: Er wollte einen Zeitmesser entwickeln, der die sichere Navigation von Schiffen ermöglichte, die Wissenschaft transformieren und die Grenzen der Astronomie überwinden. Seine Herausforderung hieß Präzision und Arnold machte sie zu seiner Leidenschaft.

Zwischen 1770 und 1790 entwickelte er die Uhrmacherkunst weiter, indem er maßgebliche Neuerungen einführte, die das Zeitalter der modernen Zeitmessung einläuteten. Ihm verdanken wir eine Reihe von bahnbrechenden Erfindungen, wie die Chronometerhemmung, eine spiralförmige Unruh und Terminalkurven, welche die spiralförmige Unruh isochron werden lassen. Auf ihn geht die erste Verwendung von Gold für Unruhfedern zurück und eine große Bandbreite von Bimetall-Unruh-Arten, die Fehler durch Temperaturschwankungen ausglichen.

Lot 38, a John Arnold watch circa 1781, sold for $722,318 at the Sotheby’s auction © Sotheby’s

Lot 38, a John Arnold watch
circa 1781, sold for $722,318 at the Sotheby’s auction
© Sotheby’s

Arnolds Chronometer begleiteten die größten Entdecker und Seefahrer seiner Zeit auf ihren abenteuerlichen Reisen. Seine Regulatoren und ihre permanente Weiterentwicklung spiegelten den kolossalen wissenschaftlichen und astronomischen Fortschritt in Europa wider.

Arnold war zudem Nachfolger einer Reihe von außergewöhnlichen englischen Uhrmachern, von denen jeder auf seine Art den Fortschritt in der Uhrmacherkunst vorangetrieben hatte: George Graham, Thomas Tompion, Thomas Madge und John Harrison. Arnold, jedoch, war der Erste, der eine neue Ära der Uhrmacherkunst einleitete, indem er zuverlässige Hochpräzisionszeitmesser entwickelte, die relativ einfach zu produzieren waren. Der Bericht über Arnolds Taschen-Chronometer No. 2 des „Board of Longitude“ aus dem Jahre 1780, besagte:

„Soweit diese Uhr getestet wurde, muss anerkannt werden, dass sie allen bisher produzierten überlegen ist. Es scheint daher nichts anderes übrig zu bleiben, (…) damit Herr Arnold (…) weitere Uhren entwickelt, (…) ihm den zweiten Preis des Parlaments für Verbesserungen in diesem Zweig der Mechanik zuzusprechen und zudem die allgemeine Anerkennung und den Applaus seiner Mitbürger.“ (1)

Technische Hauptmerkmale des Taschenchronometer Nr. 23/78 aus dem Jahr 1781 von John Arnold, London.

Werk: Vergoldetes Vollplatinenwerk mit Arnolds Wippen-Chronometerhemmung, freier „Doppel-S“-Unruh, gebläuter Schraubenfeder aus Stahl, graviertem und durchbrochenem Unruhkloben, Schnecke mit Kette. Uhrwerk signiert mit „John Arnold, London, Inv. et Fecit London No. 23/78“

Zifferblatt: Weißes Email-Zifferblatt, römische Ziffern, äußerer Minuten-Skalenring, großes Sekunden-Unterzifferblatt, gebläute Stahlzeiger, Zifferblatt signiert und nummeriert: „78“.

Gehäuse: Flaches, poliertes Silbergehäuse mit doppeltem Boden, rückseitige Öffnung zur Küvette mit Aufzugsöffnung, Herstellermarke ITP für John Terrill Pain und punziert 1781, Durchmesser: 73 mm.
(1) Textquelle: The Monthly Review or Literary Journal, vol. 58 (London, 1780)

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